Nebel

Nebel

Der Wanderer über dem Nebelmeer. Kein Bild beschreibt die ungeschickte, aber entschlossene Willkür des menschlichen Seins so eingängig wie dieses Jahrhundertgemälde. Als Mahnmal der eigenen Unzulänglichkeit hängt es an der Wand und erinnert uns daran, wie wenig wir über das Fortschreiten wissen. Wir stolpern voran, ohne zu wissen, was der nächste Schritt mit sich bringt. Vielleicht knicken wir um? Vielleicht ist dort ein Loch? Vielleicht erscheint hinter der nächsten Ecke eine Wand, die zu überwinden wir nicht im Stande sind?

Und doch tun wir den nächsten Schritt. Und doch wagen wir uns voran. Ins Ungewisse. Warum? Weil Stillstand Tod bedeutet. Oder andersherum: Nur der Tod bringt wahren Stillstand. Es ist uns schlicht nicht möglich, nicht den nächsten Schritt zu tun. Es gibt kein Umkehren, es gibt keinen Schritt zurück. Jeder Schritt ist einer nach vorn, und mit jedem Schritt verschwindet alles, was hinter uns liegt, im Schatten unseres Gedächtnisses.

Diese Gegebenheit des menschlichen Seins können wir bedauern; wir können darüber wütend, traurig oder resigniert sein. Oder wir sind wie der tapfere Wanderer und setzen einen Fuß vor den anderen. Im Bewusstsein des Unberechenbaren und mit der Entschlossenheit, unser Ziel zu erkunden.