Widerstand
Stets lässt er sich von der Erzieherin tyrannisieren. Tu dies, tu das. Stets wird sie wütend und wenn schon nicht wütend, dann wenigstens genervt, wenn er es nicht hinbekommt, wenn er es nicht schnell und nicht gut hinbekommt. Jedenfalls nicht so schnell und gut, wie sie es als schnell und gut befunden hätte. Stets reagiert sie mit überschwänglicher Nettigkeit, mit übermäßig gespielter Geduld. Eine aufgesetzte Geduld, die gleichzeitig die eigentliche, schreckliche Ungeduld dahinter offenbart. Aber er merkt es. Er merkt es jedes verdammte Mal. Er merkt, dass er ihr nicht genug ist. Dass die Bilder nicht schön genug sind. Dass das Aufräumen nicht schnell genug ist.
Eines Tages dann kommt ihm ein Geistesblitz. Eine wahnsinnig effektive und simple Idee, wie er seinem Missmut Ausdruck verleihen kann.
So geschieht es also. Er wird von der schrillen, gestressten Stimme der Erzieherin in seinem Spiel gestoppt und aufgefordert, seine Spielsachen aufzuräumen. Just springt er aus seiner sitzenden Pose auf. Breitbeinig. Schulterbreit. Er achtet auf einen sicheren Stand, ist das Stehen doch, wenn schon nicht ganz neu, so doch immer noch nicht geübt. Er drückt. Der Kopf wird rot. Der gut riechende Gestank steigt wie Parfüm in seine Nase. Der Kot ist erfolgreich in die Hose verfrachtet. Ein Lächeln voller Genugtuung macht sich auf seinem Gesicht breit, als er die Reaktion der Erzieherin auf diesen Gestank sieht.
Erschöpft von seinem erfolgreichen Anschlag und der vielen Konzentration, die er weiterhin auf das sichere Stehen verwenden muss, fällt er hin. Popo voran. Erfüllt von Genugtuung, umgeben vom Gestank des Sieges. Sein Mund öffnet sich. Er schreit. Er weint und fühlt sich so gut wie selten in seinem Leben, als die Erzieherin ihn auf den Arm nimmt, dabei den Mund verzieht und die Windel wechselt.
Zweifelsfrei nicht der Lieblingsteil ihres Jobs, denkt er sich und schläft ein.